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Risiko über die Klippe

April 11, 2011

Zonengabi im Glück,November 1989

Der über Ostjapan gekommene Tsunami bringt nun  Atomkraftwerkbefürworter in arge Bedrängnis, auch  liberale Denker mühen sich an der Neubewertung des Risikobegriffs ab. Wer sich für den denkerischen Steinbruch interessiert, kann bei Ulrich Beck nachlesen, wie das Thema Risikogesellschaft in der BRD Mitte der 80er Jahre von soziologischer Warte aus angegangen wurde. Politisch ist das Risikothema leicht abgehandelt: Was der Staat seinen Bürgern an Unwägbarkeiten nicht abnimmt, soll in der Hand von Versicherungen oder in Privathand verbleiben – alles , was darüber hinaus geht,kann als Zumutung mit Wutpotential begriffen werden.

Nun hat vor einiger Zeit in Meck-Pomm ein Lüftchen überm Erdbeerfeld eine Massencaramboulage mit vielen Toten und Verletzten auf der A-19 ausgelöst. Kurzum, es war endlich wieder einmal etwas los im uninteressantesten Bundesland dieser Republik. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen potentiell verursachende Kraftfahrzeugbetreiber, ob sie nicht etwa zu schnell in die Sandstaubwolke gefahren seien. Die anreinenden Agraringineure fahren vorsichtshalber etwas Gülle auf ihr vertrocknetes Land.

In Meck Pomm werden aber nicht nur autobahngefährliche Erdbeeren und Raps angebaut, virtuell geht es dort nicht weniger abständig zur Sache. In die sozialdemokratische Plauderei “Darf man Nazis blockieren? Ein Streitgespräch mit Mathia Brodkorb” mischt sich dann doch der Freiheitsverherrlicher ein.

“[Anmerkung für zukünftige ArbeitgeberInnen und die Presse: Das heißt nicht, dass ich ständig und immer Ordnungswidrigkeiten begehe oder es toll finde, wenn welche begangen werden. Ich versuche keine zu begehen.]”

Sie können sich schon denken was jetzt kommt. Für die 49 Quadratmeter die sie sich mit ihrer Äußerung eingehandelt haben müssen wir natürlich aufkommen.

Sozialdemokraten müssen sich immer wieder über “law and order” verständigen. Die soziale Risikoabsicherung ist aber jederzeit gewährleistet, auch für potentielle antirepublikanische Straftäter.

„Alles in allem halte ich es für eine gesunde Entwicklung, dass Risiko wieder einen Preis hat.“ Dr.rer.pol. Herbert Walter, (*1953), Chef der Dresdner-Bank.