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Etatistenorgie auf schwäbisch

November 30, 2010

Schwäbische Hausmänner und Hausfrauen …

Anfang Oktober 2010 gab es Henkemekenke zwischen Protestlern und Sicherheitskräften am maroden Stuttgarter Hauptbahnhof – ich kam gerade am Flughafen Rhein-Main an: An ihren Fetisch gekettete Bäumeschützer stellten sich Sicherheitskräften entgegen,  Frankfurt Startbahn-West aus den 80ern liess wohl grüssen, ca. hundert verletzte Protestler wurden bilanziert. Nur die Zusammensetzung des aufmüpfigen Mobs soll sich 2010 ganz anders gestalten: Nicht Joschka, Anna und Arthur sind angetreten, sondern Häberle und Pfleiderer haben sich angeblich gegen einen Tiefbahnhof  an der Schwäbischen Alb auf die Strümpfe gemacht.

In der Schlichtung wird geschwäbelt, dass einem  schwindelig vom puren zuhören wird – Mappus, Kefer unf Gönner sehen sich einer Bande aus  Berufsgrünen, Umwelt- und Stadtraumaktivisten gegenüber.  Keiner dieser K-21 Aktivisten  hatte wohl  jemals einer Maurerkelle in der Hand, aber über ein Grossbauprojekt wird acht lange Schlichtungstage massenweise Stuss durch den Äther via Phönix gepresst – bis zu 1 Mio Zuschauer sollen sich das angeschaut haben,that is unbelieveable.

Auf der schwäbschen Eisenbahn …..

Bis zum 30. November hat Heiner Geissler den Schlichterjob, die Argumente der Untertunneler (DB) oder Übertunneler (Mopsfledermausfans) sollen transparenter an die Öffentlichkeit gelangen. Eine andere  Form der Bürgerbeteiligung soll ausprobiert und ein Demokratiexperiment soll vorgeführt werden. Tatsächlich wurden romantischer Heimatschutz und Klimahysterie in eine politische Auseinandersetzung um ein zugegeben sehr kostspieliges Projekt der Mobilitätssicherung eingeträufelt. Allen voran die Vertreter der grünen Partei, die nicht unberechtigt auf Stimmenzuwachs bei der nächsten Landtagswahl 2011 in BaWü hoffen – diesen politischen Preis hat Mapuus mit dem Knüppeleinsatz gegen Baumschützer, Schüler und andere empörte Stuttgarter selbst ins Werk gesetzt und Herr Roggenbauch hat dies in den  S-21-Schlichtungen immer wieder hervorheben dürfen.

Mir ist endgültig die Hutschnur gerissen, als der Mathematiker und Tübinger OB Boris Palmer von den Grünen – dem am 6. Schlichtungstag von der DB immerhin ein richtiger Job angeboten wurde – am vierten Schlichtungstag die etwaigen Kosten eines Abbruchs von S-21 auf ca. 600 Mio € schätzte (die DB ging von ca. 1 Mrd aus) und dies als Sieg der S21-Projektgegner verkaufte. Das auf der Schlichtung versammelte Etatistenkartell hat den Protest von der Strasse auf die Mattscheibe von Phönix oder ins Internet verfrachtet,eine wahlkampftaktisch verständliche Oppositionskampagne. Das dort nicht anders als in den Parlamenten oder vor Gerichten die Verprassung von abgepressten Steuergeldern verhandelt wird, scheint kaum jemanden als skandalisierbar  auffallen zu wollen.

Es kommt aber noch schlimmer. Der Refinanzierungsplan der DB durch Immobilienverkauf am Bahnhofsgelände – es könnten ja verprasste Steuergelder zurückfliessen – wird von den S-21 Gegnern mit sozialromantischen Gentrifizierungsphantasien konterkariert. Die namenstanzende Waldorflehrerin soll mit ihrem Sohn und dessen verharzten Freundeskreisen direkt am Stuttgarter Hauptbahnhof ein bezahlbares, neu gebautes, klimaneutrales Wohnquartier durch Steuergelder finanziert bekommen.

Der Freiheitsverherrlicher hat sich zu diesem heimattreuen Irrsinn an der Schwäbischen Alp verständlicher Weise noch nicht geäussert. Aber sie wissen schon,was jetzt kommen müsste: Da hilft nur eins: Kürzen, kürzen und dreimal kürzen !

PS: Im liberalen Bloggerlager kann etatistisch durchsetzte Affirmation besichtigt werden. Hier brechen Nützlichkeitserwägungen über Fahrtzeiten und Law&Order die liberal-libertäre Gretchenfrage,warum ein Staat über 4 Milliarden € in ein Verkehrsprojekt stecken kann? Immerhin,ein Hoffnungsschimmer in der Kommentarspalte bleibt.